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am 8. Dezember 2021

Mehr Windkraft – richtungsweisende Entscheidung

- Gemeinderat dafür, Grüne einstimmig

Foto by Lisa N. on Unsplash

Wind und Wellen im Gemeinderat

Interessante Wellen schlug die Anfrage der Gemeinde Andlersdorf, zu dem bestehenden Windpark zwei Anlagen dazuzubauen. Diese sollten unter zwei Kilometer Abstand von bewohntem Gebiet in Franzensdorf stehen. Laut NÖ -Landesgesetz muss somit die Nachbargemeinde gefragt werden und von ihrer Zustimmung hängt es ab, ob gebaut wird oder nicht.

Nun muss man wissen, dass das NÖ-Landesgesetz bezüglich Windkraft das strengste in ganz Österreich ist, welches wiederum das strengste Gesetz in punkto Windkraft in ganz Europa hat. Die NÖ-Landesgesetze sehen einen Abstand von 1,2 km zwischen bewohntem Gebiet und einer Windkraftanlage vor - unter Einhaltung zahlreicher Auflagen wie eines Schallemissionsgutachtens und vieler anderer Überprüfungen. Die in Andlersdorf geplanten Anlagen sind 1,8 km entfernt, also gut die Hälfte noch mal weiter als zulässig.

Petition und Emotion

Trotzdem wurden in Franzensdorf fleißig Unterschriften gesammelt und eine Petition an den Gemeinderat verteilt, um der Gemeinde Andlersdorf den Zubau dieser zwei Windräder zu verwehren. Schade, dass die Präsentation des Projekts durch die Firmen ImWind und Wien Energie gemeinsam mit den Andlersdorfer GemeindevertreterInnen nicht auch von den UnterzeichnerInnen der Petition gehört und gesehen werden konnte. Darin wurden sämtliche vorgebrachten Einwände klar und deutlich widerlegt. Zum Beispiel hätte die Sorge, dass mit dem Re-Empowerment (Austausch der Anlage nach 20 Jahren) eine größere, höhere, stärkere Windkraftanlage, welche dann vielleicht technisch möglich wäre, automatisch und ohne Widerrede hingestellt werden könnte, leicht zerstreut werden können: Das geht nicht, denn dafür braucht es ein neues Verfahren und einen neuen Antrag. Auch jetzt könne nicht, wie gefürchtet, zwischen Antrag, Verfahren und tatsächlichem Bau – frühestens 2025 – einfach stärkere Windräder genommen werden. Der Antrag wird jetzt gestellt und kommt genau so ins UVP Verfahren.

Die Lärmentwicklung eines Windrades wurde thematisiert: Wie Gemeinderat Gottfried Rotter  (ÖVP) eindrücklich gegenüber stellte, beträgt der Schall eines Windrades der geplanten Dimension in 1,8 km Entfernung 31 Dezibel. Etwa das Ticken einer Uhr. Der Schall der Umgebung ist wesentlich höher, so hat z.B. eine Wärmepumpe, wie jetzt vielfach in und vor Häusern verbaut, schon 41 Dezibel. Zusätzlich ist die dominante Windrichtung eine, die den Schall nicht Richtung Franzensdorf, sondern in die Gegenrichtung bläst. Aber auch AndlersdorferInnen, die anwesend waren und schon lange ihre eigene Windkraftanlage in der Nachbarschaft haben, eine davon sogar im Mindestabstand von 1,2km, versicherten, dass der Schall für sie überhaupt kein Thema war und ist.

Auch das Argument des Vogelsterbens durch Windkraft, das GegnerInnen in der Petition anführten, hört sich recht kraftlos an, wenn man bedenkt, dass Haupttodesursachen von Vögeln Verkehr, Gifte in der Landwirtschaft und viele andere Dinge in einer langen Liste sind, in der Windräder nicht einmal vorkommen. Außerdem verbietet das NÖ-Landesgesetz die Errichtung von Windenergieanlagen in ausgewiesenen Vogelrouten, was für jedes einzelne Windrad geprüft wird.

Die Lebensqualität ist für die UnterzeichnerInnen also in eigentlich keiner der befürchteten Rubriken im Geringsten gefährdet und doch so viel Emotion?

Ökologie, Klimawende und Menschenleben

Jetzt wenden wir uns der anderen Seite zu, der Seite, die ohne Grund bekämpft wurde und auf der die Emotion weitaus besser aufgehoben gewesen wäre. Warum ist es gut, eine Windkraftanlage zu bauen? Weil Windkraft die Energiegewinnung mit dem kleinsten ökologischen Fußabdruck ist. Vor Sonnenenergie und vor Wasserkraft. Und deshalb findet sich auch Windenergie ganz oben auf der Prioritätenliste des Landes NÖ, der Europäischen Union und auch auf der der WHO, die den Umstieg auf erneuerbare Energien natürlich aus dem Gesundheitsaspekt betrachtet: real gesehen also weniger Todesfälle. Feinstaub und Klimagase sind für Herz-Kreislauf Erkrankungen und Lungenschäden verantwortlich und mindern die Lebenserwartungen.

Jede Tonne CO2 und Feinstaub, die eingespart wird, rechnet sich faktisch in Menschenleben.

Deshalb sieht der NÖ Energiefahrplan auch vor, dass bis 2030 die Windenergie verdoppelt und die Solarenergie verzehnfacht werden muss, damit die Klimaziele Österreichs eingehalten werden können.

Windräder und Horizonte

Das tatsächlich im Gemeinderat vorgebrachte Argument, die Windräder in Andlersdorf „würden das Weltklima nicht retten“, ist entlarvend und unendlich traurig zugleich. Nicht nur ob des zur Schau gestellten Egoismus, sondern ob seiner inhärenten Unlogik. Genau diese Einstellung hat das Weltklima zu dem Abgrund geführt, vor dem es steht. Gemeinderat René Azinger formulierte die Gesinnung treffend, als er sich nicht der Welt, nicht einmal NÖ, sondern ausschließlich den Menschen in Franzensdorf verpflichtet fühle, die sich Sorgen wegen der Windräder machten. Dabei völlig außer Acht lassend, dass die Erderwärmung Franzensdorf weit mehr Schaden zufügen wird als Windräder. Und dass er den FranzensdorferInnen wohl einen besseren Dienst getan hätte, wenn er ihnen nicht Fehlinformationen, sondern Fachinformationen gegeben hätte.

Die Einschränkungen durch zwei weitere Windräder am Horizont sind minimalst im Vergleich zu deren Wirkung auf das eigene, aber auch das Wohlbefinden aller. Die Welt ist nicht, und war nie, etwas vom eigenen Umfeld Abgeschottetes, wir können nur mit ihren guten und schlechten Einflüssen darauf leben.

Wir alle sträuben uns, uns einzuschränken. Tausend Ausreden sind uns lieber als ein Verzicht. Ich nehme niemanden davon aus.

Aber ist es uns wirklich wichtiger, Windräder am Horizont zu bekämpfen, als dafür zu sorgen, dass unsere Jugend, unsere Kinder wenigstens nicht eine schlechtere Zukunft haben als die Zeit, in der wir leben durften?

Glaub ich einfach nicht....